2. März, 2006. 18h Filmpodium Zürich
3. März, 2006. 18 + 20.15h Zinéma Lausanne
5. März, 2006. 17h Kino Kunstmuseum Bern
7. März, 2006. 18h Ecole Supérieure des Beaux-Arts, Genève
8. März, 2006. 21h Cinéma Spoutnik, Genève
TRÍPTICO ELEMENTAL DE ESPAÑA
José Val del Omar Filmpionier, Erfinder, Dichter, Philosoph und Collageur
"Zerstöre im richtigen Augenblick die Labyrinthe deiner Routine und das gewisse Etwas wird dich anlächeln." (Val del Omar)
Im Dezember 1998 und März 1999 fanden im Centro Andaluz de Arte Contemporaneo de Sevilla Vorführungen der Filme des bekannten Französischen Essayisten Chris Marker statt. Der für seine Abneigung gegen Reisen berüchtigte Künstler nahm für einmal die Einladung nach Spanien unter einer Bedingung an: Das "Tríptico Elemental de España" von José Val del Omar musste im Rahmen der Hommage an Chris Marker ebenfalls gezeigt werden.
José Val del Omar (1904-1982) ist wohl der bedeutendste spanische Filmpionier. Er beschränkte sein künstlerisches Schaffen nicht nur auf das Filmemachen, sondern betätigte sich auch als Dichter, Philosoph und Collageur. Darüber hinaus war er der Erfinder verschiedenster filmtechnischer Geräte, die ihrer Zeit voraus waren. Er benutzte schon 1928 eine konkave Leinwand und entwarf 5 Jahre vor der Einführung des Cinemascope ein Breitwandverfahren. Ebenfalls gehen auf ihn ein Objektiv zurück, dessen Brennweite verändert werden konnte (Ein Vorläufer der Zoom-Linse), ein mehrkanaliges Tonsystem (Sonido Diafónico), das den Stereo- und Dolby-Ton vorwegnahm und ein Beleuchtungsverfahren, das einen reliefartigen 3-D Effekt erzeugt (tactilVisión). Doch keine seiner Erfindungen hat Val del Omar entsprechend vermarktet.
Wir zeigen das dreiteilige Hauptwerk dieses Filmkünstlers und -tüftlers erstmalig in der Schweiz. Die einzelnen Filme des Triptichons sind in den Jahren 1953 bis 1981 entstanden und unabhängig voneinander uraufgeführt worden. Unter anderem wurden sie an den Festivals von Berlin und in Cannes gezeigt, wo Fuego en Castilla einen Spezialpreis für die Spezialeffekte erhielt. Sie sind Hommagen an drei Regionen Spaniens, die jeweils auf einem der Elemente Erde, Feuer und Wasser aufbauen. Allen gemeinsam ist der visuelle Reichtum und eine Mystik, die sich Elementen aus der arabischen, der christlichen und der keltischen Kultur bedient. Die Schönheiten der jeweiligen Region, ihre Feste und ihre Sehenswürdigkeiten werden für Val del Omar zur Basis für seine eigenen Visionen: Mystik ist der Versuch, das zu sehen, was man nicht sehen kann. Mit Hilfe von plastischen (Licht-)Effekten, dem Spiel mit Symbolen und einer rhythmisierten Montage für die Leinwand übersetzt Val del Omar unsichtbare Bilder in Filme.
Einführung: Thomas Tode, Filmwissenschaftler Hamburg
TRÍPTICO ELEMENTAL DE ESPAÑA
Acariño galaico (De barro) Liebeserklärung an Galizien (Aus Lehm) [1961-1982/1995, 24 min., 35mm, s/w]
Fuego en Castilla Feuer in Kastilien [1958-60, 17 min., 35mm, farbe und s/w]
Aguaespejo granadino Granadische Wasserspiegelungen [1953-55, 23 min, 35mm, s/w]
Acariño galaico / De barro (Liebeserklärung an Galicien / Aus Lehm, 1961-1982/1995, 24’) widmet sich dem Element der Erde, den galicischen Bauern und keltischen Traditionen, rhythmisiert von Val del Omars poetischer Sprache.
Fuego en Castilla (Feuer in Kastilien, 1958-60, 17’) spürt der dunklen Seite des alten Kastilien nach, mit schwarzen Kapuzenmännern, rituellen Feuern, der Karwoche in Valladolid und barocker Kirchenkunst, gefilmt in tactilVision, einem rhythmisch getakteten Beleuchtungsverfahren, das zwei-dimensionale Abbildungen zu einem reliefartigen Leinwanderlebnis macht. In Cannes mit einer Palme ausgezeichnet.
Aguaespejo granadino (Granadinische Wasserspiegelungen, 1953-55, 23’) erforscht mit diaphonischen Ton die Wasserspiele der Alhambra, lauscht den Rhythmen der Kastagnetten, während Wolken über flackernde Stadtansichten Granadas ziehen und Zigeuner aus ihren in den Fels gemeißelten Höhlen kriechen. »Hier hat ein Schönberg der Kamera die Atonalität des Films entdeckt« (Tagesspiegel, Berlin 1956).
Informationen zu José Val del Omar finden Sie unter: http://www.valdelomar.com/