Do, 18. Okt. 2007, 20.45h Filmpodium, Zürich: Programm 1
Mo, 4. Nov. 2007, 18.00h HEAD, Genf: Programm 1
Di, 5. Nov. 2007, 21h im Kino Spoutnik, Genf: Programm 2
Die Filmreihe reservoir meldet sich wieder. Der zweite Zyklus beginnt mit Filmen von Bruce Baillie, einem Pionier des US-amerikanischen Underground-Films.
Noch bevor er selber seine wichtigsten Filme gemacht hatte, improvisierte Bruce Baillie (Jahrgang 1931) 1961 im Hinterhof seiner Wohnung im Ort Canyon ein Kino. Mit einem auf Pump erstandenen Projektor und einer aus alten Armeebeständen aufgekauften Leinwand zeigte er aus seiner Küche heraus Filme. Das Canyon Cinema wurde zum Ursprung der Underground-Filmszene San Franciscos und entwickelte sich bald zu einem der weltweit grössten Archive für Experimentalfilme.
Quixote, ein Hauptwerk Baillies, ist eine Reise durch die USA von Westen nach Osten. Ein Jahr vergeht und von einem ländlichen Frühling in Kalifornien führt der Weg metaphorisch in den harten Winter der Grossstädte im Osten. Während die Nation von Vietnamkriegs-Protesten zerrissen wird, zeichnet Quixote die hoffnungslose Vision einer militarisierten und konsumistischen Gesellschaft: Die Geschichte der USA ist für Baillie nichts als eine einzige, kriegerische Eroberungsbewegung weisser Kultur. In umgekehrter Richtung zur historischen Bemächtigung Nordamerikas durch die Truppen der USA, zieht er wie Cervantes' Don Quixote gegen den unkritischen Fortschrittsglauben und sinniert über die Vertreibung der Indianer von ihrem angestammten Territorium. Vietnamkrieg und Ausrottung der Indianer beide Konflikte sind in den Augen Baillies Ausdruck für die Unfähigkeit der US-Amerikanischen Kultur, mit anderen Völkern und Überzeugungen umzugehen.
Dem bedrückten Grundton dieses Films zum Trotz ist Bruce Baillie als Filmemacher der Schönheit verpflichtet, wie alle seine Filme belegen. Seine Bild- und Toncollagen vermitteln in Doppel- und Mehrfachbelichtungen den Schwebezustand des nomadischen Lebens, das er lange Jahre führte. Das Ergebnis sind Augenblicke der Poesie des visuellen Erlebnisses von bisweilen schwereloser Unschuld. Baillie selbst bezeichnet sich als jemand, der durch die Kunst "sein ganzes Leben der Erschaffung einer friedlicheren Welt" gewidmet hat.
Bruce Baillie's Film Castro Street ist 1992 in den USA ins National Film Registry der schützenswerten Filme aufgenommen worden.
(Fred Truniger)
Programm I:
All My Life, USA 1966, 3 Min., 16mm
Castro Street, USA 1966, 10 Min., 16mm
Quixote, USA 1964-67, 45 Min.,16mm
Roslyn Romance (Is It Really True?), USA 1974, 10 Min., 16mm
Programm II:
Mass For The Dakota Sioux, USA, 1963-64, 24 Min., 16mm
Tung, USA, 1966, 5 Min., 16mm
Valenting de Las Sierras, USA, 1967, 10 Min., 16mm
Quick Billy, USA, 1967-70, 60 Min., 16mm