Donnerstag, 27. April 2006, 18h, Filmpodium Zürich
Rund zehn Jahre nach dem Tod des Situationisten Guy Debord (1931-1994) ist sein filmisches Œuvre - sechs SW-Tonfilme in 35mm, entstanden zwischen 1952 und 1978 - wieder zu sehen. Für das dritte Programm lädt Reservoir die Reihe DETAIL(S) der Kunsthalle Basel mit einem Film von Guy Debord ins Filmpodium ein. Debord, der mit seinem Buch La société du spectacle (Die Gesellschaft des Spektakels, 1967) und als Begründer der Bewegung des Situationismus (Internationale Situationniste) bekannt geworden ist, hat 1952 mit seinem ersten bilderlosen Film Hurlements en faveur de Sade begonnen, eine Kritik an der Kunst zu formulieren. Der Theoretiker des Spektakels hat den Film als “die zentrale Kunstform in unserer Gesellschaft” aufgefasst und sich selbst als Filmemacher bezeichnet: “Je veux un ciné qua non!” Seine Intention bestand darin, den medialen Status der anscheinend unmittelbaren Welt zu enthüllen, indem er die Methoden der Darstellung einer Befragung unterzog: Neben den Möglichkeiten des experimentellen Films wurde die visuelle und akustische Zweckentfremdung (détournement) zu seinem zentralen filmischen Verfahren. Störung und Unterbrechung sind Mittel, den Film aus entliehenen Bildwelten - vom Western bis zum Comic - zu montieren, um auf diese Weise mit der Herauslösung von Bildern aus ihrem Zusammenhang einen Wendepunkt der Kultur herbeizuführen. Zweckentfremdung dient auch der Umgestaltung und Neuinterpretation von Geschichte, welche für die Situationisten als Problem der Darstellung betrachtet worden ist. Vor diesem Hintergrund entwickeln Debords Filme eine eigenständige Sprache und sind - buchstäblich - ungesehene Beiträge zu einer Geschichte des Films.
Im Rahmen ihrer Veranstaltung DETAIL(S) zeigt die Kunsthalle Basel am 23.4. und 25.4.2006 das gesamte filmische Ouvre von Guy Debord, mit einführenden Kommentaren von Markus Klammer, Stéphane Montavon und Maja Naef. Informationen unter www.kunsthallebasel.ch
Einführung: Simone Schardt, Künstlerin und Kunstkritikerin, Zürich